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Mark-Anthony Turnage ›A Relic of Memory‹ (UA)
Igor Strawinsky ›Apollon Musagète‹
Magnus Lindberg ›Aura‹

Seit Simon Rattle sein Amt als Chefdirigent der Berliner Philharmoniker 2002 antrat, sind es u.a. zwei Aspekte, die ihm besonders wichtig sind: Gemeinsam mit dem Orchester den Weg ins 21. Jahrhundert zu beschreiten und junge Menschen an Bereiche der Musik heranzuführen, die in ihrem Alltagsleben bisher eine eher untergeordnete Rolle spielten.

Im Konzert am 23. Oktober lässt sich dieser Anspruch besonders gut nachvollziehen. Auf dem Programm stehen Werke zweier zeitgenössischer Komponisten, des Finnen Magnus Lindberg und des Engländers Mark-Anthony Turnage, sowie eines von einem der Klassiker der modernen Musik: Igor Strawinsky. Mit dessen Apollon Musagète setzen Sir Simon und die Philharmoniker ihren Zyklus mit Balletten Strawinskys fort, der mit der Aufführung von ›Le Sacre du printemps‹ unter Mitwirkung von 200 Berliner Schülern in der arena Berlin in Treptow seinen vielbeachteten Anfang genommen hatte. In ›Apollon Musagète‹ wird die Geschichte von der Geburt des griechischen Gottes Apollo erzählt und seine Begegnung mit drei der neun Musen. Dazu schrieb Strawinsky eine Musik für reine Streicherbesetzung, die mit ihrer Klarheit und heiteren Anmut immer wieder begeistert hat.

Magnus Lindberg hat einmal bekannt: "Mein Lieblingsinstrument ist das Orchester." Und tatsächlich bilden die großen Orchesterwerke das Rückgrad seines Schaffens. 1993/94 komponiert, ist ›Aura‹ ein besonders gelungenes Beispiel für die Vielfalt, mit der Lindberg einen groß besetzten Klangapparat einsetzt. In den vier Sätzen des Stücks wechseln Episoden für volles Orchester mit kammermusikalischen Abschnitten bis hin zu solistischen Passagen. Mit ständig neuen Einfällen überrascht der Komponist seine Zuhörer und garantiert ein spannendes Konzerterlebnis.

Spannung verspricht auch das dritte Werk des Abends, die Uraufführung von Mark-Anthony Turnages neuestem Stück: ›A Relic of Memory‹. Viel weiß man noch nicht darüber, daher nur soviel: Es handelt sich um ein Chorwerk (Auftraggeber ist der Rundfunkchor Berlin) mit groß besetztem Orchester. Vertont wurden Passagen aus einem Shakespeare-Sonnett sowie Teile aus dem Requiem, der lateinischen Totenmesse. Geprägt ist ›A Relic of Memory‹ u.a. durch Eindrücke, die der Irak-Krieg bei Turnage ausgelöst hat. Am Ende des Werkes aber steht der Wunsch nach Frieden: Dona nobis pacem!