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Hans-Jürgen von Bose ›Variationen für Klavier‹
Berthold Goldschmidt ›Klarinettenkonzert‹
Johannes Brahms ›Sinfonie Nr. 3 F-Dur‹

Hans-Jürgen von Bose ›Variationen für Klavier‹
Die Variationen über das berühmte a-Moll-Thema von Paganini für großes Orchester entstanden im Sommer/Herbst 1997 als Auftrag der Housten Symphony und ihres damaligen Chefs Christoph Eschenbach, der das Stück im Mai 1998 dort auch uraufführte.
Es handelt sich dabei um einen groß angelegten Zyklus von Struktur- und Charaktervariationen, die - im Gegensatz zu den meisten Variationszyklen - das zu variierende Thema nicht anfangs exponieren, sondern damit spielen, „leimruten“ scheinbarer Wiedererkennbarkeit auf Basis diverser Stilkopiemodelle zu legen, den Hörer also bewusst und lustvoll in die Irre zu führen, um dann - kurz vor der Schlussstretta - mit Hilfe eines Schönbergzitates ( aus dem Monodram „Erwartung“: der Moment in dem die Protagonistin den Erwarteten aber dann eben toten Geliebten entdeckt) das Paganini Thema fragmentiert und leise zögernd erkennbar werden zu lassen.
Das Stück steht sehr bewusst in der Tradition der großdimensionierten, sozusagen polyformalen Variationszyklen wie sie seit Bach vor allem in der deutschen Musik des 18. und 19. Jahrhunderts sich entwickelt haben.
Kompositionstechnisch entscheidend ist das Prinzip des – fast überall – strukturbestimmenden Kanons in vielen Ausformungen seiner nahezu unendlichen Möglichkeiten (Kanon, Spiegelkanon, Krebskanon, Mensuralkanon etc.), und der Versuch, dieser scheinbar trockenen Materie aufs Neue möglichst direkt sinnlich Erfahrbares abzugewinnen.

Berthold Goldschmidt ›Klarinettenkonzert‹
Als Berthold Goldschmidt 1935 nach der Flucht aus Hitler-Deutschland in London Aufnahme fand, war er erleichtert. Die Übersiedlung unterbrach allerdings die Karriere des damals 32-jährigen hoffnungsvollen Komponisten und Dirigenten. Er war zu jung, um wie etwa Schönberg und Bartók als Klassiker der Moderne zu gelten. Eine Anpassung an die Mode hätte Goldschmidt jedoch als unehrlich empfunden. Damit musste er in Kauf nehmen, als veraltet abgelehnt und kaum noch aufgeführt zu werden. 1958 beschloss er deshalb, sich nur noch dem Dirigieren zu widmen. Erst Anfang der achtziger Jahre begann die Wiederentdeckung des Komponisten Berthold Goldschmidt.
Seine Solokonzerte für Violine, Violoncello und Klarinette entstanden nur wenige Jahre vor der Zäsur. Es war das Klarinettenkonzert mit dem Goldschmidt im September 1954 die Trias der Solokonzerte beendete. Neben der virtuosen Beweglichkeit des Soloinstruments wird vor allem in den Streichern seine Nähe zur menschlichen Stimme deutlich.
Goldschmidt sah sich selbst weder als deutscher, englischer oder jüdischer Komponist, sondern betrachtete sich als europäischer Komponist. »Ich brauche ja nur Bach zu erwähnen, der Vivaldi und das Italienische aufgesogen und verarbeitet und zu einer europäischen, nicht gerade sehr typisch deutschen Musik verwandelt hat.«

Johannes Brahms ›Sinfonie Nr. 3 F-Dur‹
Überall dort, wo Brahms’ Dritte zu hören war, erzielte sie große Wirkung bei den Zeitgenossen. Fast alle waren von ihrer Fasslichkeit und starken Individualität beeindruckt, die Meinungen über ihre Deutung gingen jedoch weit auseinander. Während zum Beispiel der Dirigent Hans Richter in ihr das Heroische zu vernehmen glaubte, interpretierte sie die Pianistin Clara Schumann als eine Waldidylle. Der Musikkritiker und Schriftsteller Max Kalbeck hatte wohl offensichtlich recht, als er meinte, wer immer sich eingehender mit dem Werk beschäftigte, habe der Versuchung, ihm einen »besonderen poetischen Inhalt« unterzulegen, nicht ausweichen können.
Seit der Wiener Uraufführung am 2. Dezember unter Hans Richter war Brahms im Sommer desselben Jahres in Wiesbaden vollendete Symphonie Nr. 3 F-Dur op. 90 erstaunlich erfolgreich. Zu seinen Lebzeiten wurde er vielfach als Nachfolger Beethovens gepriesen. Kein Geringerer als der Komponist Max Reger meinte 1894, die letzten drei Symphonien von Brahms stellten »ihn als Symphoniker direkt zu Beethoven«. Diese Ansicht stammt vom Dirigenten Hans von Bülow, der glaubte in Brahms Erster Symphonie eine tiefe Verwandtschaft mit Beethoven konstatieren zu können und prägte das geflügelte Wort von den »drei großen B« (Bach, Beethoven und Brahms).