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Konzerthausorchester Berlin
Lothar Zagrosek
Rudolf Buchbinder, Klavier


Gustav Mahler
>Adagio Fis-Dur aus der Sinfonie Nr. 10<
Henri Dutilleux »Métaboles«
Johannes Brahms >Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 d-Moll op. 15<

»Wunderbare Blicke in die Geisterwelt«

»Wir wurden in immer zauberischere Kreise hineingezogen. Dazu kam ein ganz geniales Spiel, das aus dem Klavier ein Orchester von wehklagenden und laut jubelnden Stimmen machte. Es waren Sonaten, mehr verschleierte Sinfonien. (…) Wenn er seinen Zauberstab dahin senken wird, wo ihm die Mächte der Massen, im Chor und Orchester, ihre Kräfte leihen, so stehen uns noch wunderbarere Blicke in die Geisterwelt bevor.« Kein Geringerer als Robert Schumann war Autor dieser Lobpreisung, erschienen 1853 in dessen Neuer Zeitschrift für Musik unter dem Titel »Neue Bahnen«. Anlass der Begeisterung: die bereits ausgeprägte Meisterschaft des erst 20-jährigen, häufig schüchternen und an sich zweifelnden Komponisten Johannes Brahms. Der Schwung der visionären Worte ermunterte Brahms zu seinem 1. Klavierkonzerts d-Moll op. 15.

Für den 1. Satz arbeitete er eine unvollendete Sonate für Klavier zu vier Händen um. Und so klingt der Satz auch: vollgriffige Klaviermusik mit sinfonischer Energie. Überhaupt ist das Sinfonische das Hauptcharakteristikum des Werks. So lässt Brahms im 2. Satz die Solostimme meist vollends mit dem Orchestertutti verschmelzen. Grund? Eine Frau! »Auch male ich an einem sanften Porträt von Dir, das das Adagio werden soll«, schreibt der entbrannte Komponist an Schumanns Frau Clara. Im Abschlusssatz exponiert Brahms alle nur erdenklichen technischen Schwierigkeiten wie rasante Terz- und Sextparallelen, große Intervallsprünge im Bass und rhythmisch vertrackte Phrasierungen, was dazu führte, dass sich das Werk erst nach 1880 durchsetzte. Mittlerweile gehört es zu den wichtigsten Klavierkonzerten überhaupt. Interpretiert wird es vom Konzerthausorchester Berlin unter der Leitung seines Chefdirigenten Lothar Zagrosek und dem Solisten Rudolf Buchbinder. Der österreichische Pianist, der Kopien der eigenhändigen Klavierstimmen und Partituren der beiden Klavierkonzerte von Brahms besitzt, gilt als einer der ausgewiesenen Spezialisten des Repertoires.

Zuvor gestaltet Zagrosek Gustav Mahlers letztes Werk, das Adagio Fis-Dur aus der unvollendet gebliebenen Sinfonie Nr. 10. Es ist ein Werk, das von Abschied und Verlust kündet – und mit dem berühmten Neuntonklang aufwartet, eine zu jener Zeit »unerhörten« Dissonanz und somit Novum in der Geschichte des Tonsatzes.

Die Grenzen des Tonalen überrennt auch Henri Dutilleux in seinen »Métaboles«. Dazu der französische Komponist in eigenen Worten: »Diese Freitonalität umschließt Modalität, Polytonalität, Atonalität und Tonalität. Sie ermöglicht deren Koexistenz und wechselseitige Durchdringung in ein und derselben Form.« Wie hätte Schumann wohl darüber geschrieben? Sicher auch begeistert.