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Deutsches Symphonie-Orchester Berlin
Ingo Metzmacher, Dirigent
Nina Stemme, Sopran


Claude Debussy >Le martyre de Saint Sébastien - Symphonische Fragmente<
Paul Hindemith >Mathis der Maler<
Richard Strauss >Tanz der sieben Schleier und Schlussgesang aus Salome<


Drei Werke bringen drei packende Figuren von der Bühne in den Konzertsaal. Sie kämpfen gegen Unterdrückung, stehen tapfer für ihren Glauben ein oder spinnen Rachegelüste.
Der Heilige Sebastian war ein Schutzpatron: Schutzpatron der Eisenhändler, Töpfer und Soldaten; ja sogar die Münchener Stadtpolizei ernannte ihn zu ihrem Schutzheiligen. Der französische Komponist Claude Debussy wurde beauftragt, Musik zu einem Theaterstück mit dem Titel ›Le martyre de Saint Sébastien‹ (Das Martyrium des Heiligen Sebastian) des italienischen Dichters D’Annunzio zu komponieren. Von einer Hinrichtungsszene erzählt die Geschichte, die im 3. Jahrhundert nach Christus in der römischen Provinz Dalmatien, im heutigen Kroatien, spielt. Sebastian, der mit Pfeilen hingerichtet wurde, war Hauptmann der Leibgarde des Kaisers Diokletian und außerordentlich tapfer. Er verteidigte seinen Glauben bis zum letzten Atemzug und bezahlte dafür mit seinem Leben. Sein Name und sein Bildnis leben nicht nur durch die Heiligsprechung, sondern auch in Kunst und Musik bis in die heutige Zeit fort.

Die Darstellung des Heiligen Sebastian taucht auch auf den Gemäldetafeln des Isenheimer Altars auf. Dieses berühmte Kunstwerk entsprang dem Pinsel des Mahlers Matthias Grünewald, dem Hindemith mit seiner Oper ›Mathis der Mahler‹ ein Denkmal setzte. Diese hatte für den Komponisten Paul Hindemith eine persönliche Bedeutung, da seine musikalischen Werke von den Nazis verschmäht wurden. Seinem Protest lässt er in der Figur des Mathis freien Lauf, der sich im Zeitalter der Reformation für die Bauern und gegen eine Unterdrückung durch die Fürstenkultur einsetzte. Im Konzert erklingt jedoch nicht die ganze Oper, sondern drei Fragmente daraus, die der Komponist für ein Konzert zusammenstellte. Sie setzten gleichsam das dreigliedrige Bildnis des Isenheimer Altars in Musik um. Der Ort der Uraufführung war Berlin.

Auf einen Stoff aus der Bibel, auf das Matthäus- und Markusevangelium, lässt sich der letzte Teil des Konzertes zurückführen. Der ›Tanz der Sieben Schleier‹ der Prinzessin Salome ist alles andere als ein Ausdruck der Freude. Sie sinnt auf Rache und Lust, möchte den Tanz nur dann inszenieren, wenn sie den Kopf des Propheten Jochanaan auf einem Silbertablett serviert bekommt. Herodes, der lüstern auf seine Stieftochter blickt, wehrt den Wunsch ab. Doch Salome setzt sich durch und besingt das abgeschlagene Haupt in einem grandiosen ›Schlussgesang‹. Ihre wollüstige Selbstinszenierung kostet auch sie am Ende das Leben.

Der Heilige Sebastian und Mathis der Mahler, zwei männliche Helden, die an den äußeren Umständen scheitern, Salome, eine weibliche »Anti-Heldin«, die an ihren eigenen Rachegelüsten zugrunde geht. Alle drei inspirierten Komponisten des 20. Jahrhunderts zu unvergesslichen Werken.