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Berliner Philharmoniker
Rundfunkchor Berlin

Sir Simon Rattle Dirigent
Kate Royal Sopran
Magdalena Kožená Mezzosopran
Hans Zischler Sprecher

Arnold Schönberg Ein Überlebender aus Warschau‹ für Sprecher, Männerchor und Orchester op. 46
Gustav Mahler >Sinfonie Nr. 2 c-Moll (›Auferstehung‹)<


Arnold Schönberg – Ein Überlebender aus Warschau für Sprecher, Männerchor und Orchester op. 46
Zwei Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs komponierte Arnold Schönberg Ein Überlebender aus Warschau op. 46 für Sprecher, Männerchor und Orchester. Der aus einer jüdischen Familie stammende Komponist war nach der Machtübername der Nazis 1933 in die USA emigriert. Von dort aus unterstützte er den Kampf gegen den Faschismus.

Thema seines kurzen, in der von ihm entwickelten Zwölftontechnik komponierten Werks, das bei seiner Uraufführung 1948 in Albuquerque (New Mexico) mit überwältigendem Applaus bedacht wurde, ist die Niederschlagung des Warschauer Ghetto-Aufstands im Frühjahr 1943. Schönberg verfasste dafür einen auf authentischen Berichten basierenden Text. Den Akteuren seiner musikalischen Erzählung wies er dabei verschiedene Sprachen zu. So berichtet der Augenzeuge auf Englisch von den Geschehnissen im Warschauer Ghetto, die Kommandorufe des Feldwebels werden auf Deutsch wiedergegeben, und im Schlusschor der zum Tode verurteilten Juden ertönt auf Hebräisch das jüdische Glaubensbekenntnis Shem’a Yisroel.

In einem Brief an Kurt List schreibt Arnold Schönberg am 1. November 1948 über die Bedeutung seines Textes: »Nun zu dem, was mir der Text des Überlebenden bedeutet: In der Hauptsache ist er eine Warnung an alle Juden, niemals zu vergessen, was man uns angetan hat, niemals zu vergessen, dass Leute, die selber passiv blieben, den Tätern zustimmten und viele von ihnen es für nötig befanden, uns auf diese Weise zu quälen. Wir sollten das niemals vergessen, selbst wenn die Dinge sich nicht genau so ereigneten, wie ich sie im Überlebenden dargestellt habe. Das spielt keine Rolle. Dass ich sie in meiner Vorstellung gesehen habe, ist das Entscheidende.«

Gustav Mahler – Sinfonie Nr. 2 c-Moll (›Auferstehung‹)
Mit der Komposition seiner Zweiten Symphonie – der Auferstehungs-Symphonie – sprengt Gustav Mahler die herkömmlichen Dimensionen der klassischen Symphonie. In fünf Sätzen setzt sich Mahler mit einer ganz besonderen Thematik auseinander: dem Metaphysischen. Dazu bedient er sich einer riesigen Besetzung aus Solostimmen, Chor und Orchester. In einen Brief schreibt er: »Ich habe den ersten Satz ›Totenfeier‹ genannt, und wenn Sie es wissen wollen, so ist es der Held meiner D-Dur Symphonie [Mahlers Erster Symphonie], den ich da zu Grabe trage …«

Der zweite Satz, ein Ländler – ein Traum vom Glück, und der dritte Satz, ein spukhaftes Scherzo, erzählen von den Erinnerungen an das Leben des Verstorbenen: »Wenn Sie dann aus diesem wehmütigen Traum aufwachen und in das wirre Leben zurückmüssen, so kann es leicht geschehen, daß Ihnen dieses unaufhörlich bewegte, nie ruhende, nie verständliche Getriebe des Lebens grauenhaft wird, […] ein grauenhafter Spuk, aus dem sie vielleicht mit einem Schrei des Ekels auffahren! – Dies ist der 3. Satz.« Im vierten Satz (Urlicht) zeichnet Mahler musikalisch den Weg von den irdischen Dingen hin zum jüngsten Gericht nach. Die eigentliche Vision des Jüngsten Gerichts entwirft er jedoch erst im Finale. Der Komponist setzt dafür ein »Fernorchester« ein, um die außerirdische Sphäre noch zu verdeutlichen.

»Das Ende des Lebendigen ist gekommen – das jüngste Gericht kündigt sich an und der Schrecken des Tages aller Tage ist hereingebrochen. Die Erde bebt, die Gräber springen auf, die Toten erheben sich und schreiten im endlosen Zuge dahin. […] Der ›Große Appell‹ ertönt; die Trompeten der Apokalypse rufen. – Mitten in der grauenvollen Stimme glauben wir eine ferne, ferne Nachtigall zu vernehmen, wie einen zitternden Nachhall des Erdenlebens. – Leise erklingt im Chor der Heiligen und Himmlischen: ›Auferstehn, ja auferstehn wirst Du!‹«. Dem Gesangstext liegt eine Klopstock-Ode zugrunde, die Mahler für seine Zwecke umdichtete. Begegnet war er ihr erstmals bei der Trauerfeier anlässlich des Todes von Hans von Bülow, dem ersten Chefdirigenten der Berliner Philharmoniker. Mit den beschwörenden Worten »Sterben werd’ ich, um zu leben […] Was Du geschlagen, zu Gott wird es dich tragen« verklingt das Werk.